• Mittwoch, April 02nd, 2008

Blaue Stunde über Namib

Mein Fototrip durch Namibia geht weiter. In diesem Abschnitt fahren wir in den Namib – Naukluft – Nationalpark. Dort erwartet uns ein Ballonflug über die Namib und ein Besuch im Sossusvlei und Deadvlei mit den höchsten Dünen der Welt.

Namib – Naukluft – Die Wüste

Hier endet die Straße Von der Teerstraße in die Sandpiste

Wir sind die ersten im Frühstücksraum der Pension. Nach einem ausführlichen Mahlzeit geht es endlich Richtung Süden. Auf der Strasse nach Rehoboth durchfahren wir leicht hügeliges Land. Warzenschweine, Paviane und Strausse tauchen öfters am Strassenrand auf.
Nach dem Tankstop in Rehoboth verlassen wir die geterrte Strasse und werden die nächsten paar hundert Kilometer auf Sand und Schotter weiterfahren. Ein paar Fotostops unterbrechen die Reise. Webervögelnester, Wildpferde und andere Tiere müssen fotografisch festgehalten werden.
Wir haben uns entschieden die nördlche Route zum Namib – Naukluft – Park zu fahren. Diese Route führt über den Spreetshoogte – Pass. Dieser Pass ist nur für 4×4 Fahrzeuge freigegeben und soll eine der schönsten Aussichten Namibias bieten.

Der grandiose Ausblick vom Spreetshoogte Pass

Der Weg führt rechts ab Richtung Norden. Das Schild “Spreetshoogte Pass – 4×4 only” lässt die Spannung steigen. Wir haben viel über den Pass gelesen und wollen es jetzt selbst erleben. Die Strasse ist kaputt und teilweise von ausgetrockneten Flussbetten durchzogen. Wellenförmig mit Vertiefung von bis zu 5 m geht es ständig auf und ab. Langsam nimmt das Auf beständig zu wir gewinnen an Höhe. Hier und da schreit der Toyota aus vollem “Herzen”. Wir geniessen das Abenteuer. Plötzlich taucht wie aus dem nichts ein Schild auf “Spreetshoogte Pass” und auf der rechten Seite taucht ein Panorama auf, dass seines gleichen sucht.

Die Abfahrt vom Spreetshoogte Pass in Richtung Sesriem

Von hier oben kann man über eine riesige Ebene schauen. Der strahlend blaue Himmel und die gewaltige Weite lassen einen ganz klein werden. Wir geniessen den Wind und die Aussicht und knabbern etwas. Fotos werden geschossen und eine gewisse Zufriedenheit stellt sich ein. Abenteuer Nr.1 gemeistert.
Die Strasse führt nun weiter hinab in die Ebene und in Richtung Solitaire. Hier wird getankt, denn der Toyota ist durstig und wir wollen keinen leeren Tank riskieren.
Noch vor dem Park treffen wir unsere ersten Antilopen. Eine Herde Kudus zieht am Strassenrand ihres Weges.

Spreetshoogte:
max Steigung 23%
Höhe 1500 m
S 23°39′28.2″
E 016°11′06.5″

Vorbei an der ersten Oryx – Antilopen und Springböcken erkennen wir langsam am Horizont ein rotes Band verlaufen. Der Rand der Namib ist erreicht.

Das rote Band am Horizont

Wir passieren den Eingang zur Kulala – Desert – Lodge unserem Quartier für die nächsten Tage. Etwa 14km hinter dem Eingang, nach dem durchqueren von trockenen Flussbetten und Tiefsand Strecken, erreichen wir die Lodge. Diese langen Einfahrten gehören zu Namibia einfach dazu (bei uns max 25 km).

Schildraben in der Wüste

Die Lodge ist einfach herrlich, trotzdem zwingt uns unsere Abenteuerlust erst noch einen ersten Naturdrive zu unternehmen. Wir sind mit dem Guide der Lodge alleine unterwegs. Der Landrover schaukelt über die unebenen Pisten. Schildraben sind unsere erste Attraktion. Die Vögel erinnern an eine Mischung aus Elstern und Raben. Springböcke, Trappen, Webervögel und eine Wanderung durch ein Vlei (trockenes Flussbett) stehen an.

Nach dem Abendessen verlassen wir das Haupthaus um zu unserer Cabin zu kommen. Vier Augen leuchten durch die Dunkelheit. Lange,degenförmige Hörner spiegeln sich in dem von Sternen gespendeten Licht. Oryx !!! Keine 10 m vor uns. Mir schiessen wiedereinmal all die Informationen die ich gelesen hatte durch den Kopf. Oryx … Antilope der Wüste und Savanne … Lebender Wasserspeicher … Bullen teilweise aggressiv … Stop. Das war die Information nach der ich gesucht hatte. Nach einem zweiten Blick jedoch stellte sich heraus, diese Exemplare waren eher kauend und dösend als aggressiv. Trotzdem machen wir sicherheitshalber einen weiten Bogen um die Tiere und machen es uns auf der Veranda unserer Cabin gemütlich. Nachtischkekse, Wasser, Pfeifgeckos und das Beobachten des Wasserlochs beenden den Tag. Morgen steht die Ballonfahrt an. Müde fallen wir ins Bett.

Der Ballon wächst

Früh morgens klingelt der Wecker. Wir schleppen uns in unsere Klamotten und langsam wächst die Aufregung. Nach einem Tee werden wir zum Balloning abgeholt.
Die Sonne steht noch nicht am Himmel und der Bunzenbrenner faucht. Ich mache die ersten Bilder wie der Ballon langsam gefüllt wird. Ich freue mich noch darüber das mir die ersten Bilder mit der richtigen Belichtung gelungen sind, da ruft uns schon der Pilot. Wir bekommen eine Sicherheitseinweisung. Dann geht es aufwärts (und wie). So ein Ballon steigt schneller als man denkt. Wir gehen hoch auf fast 600m. Der Ausblick ist der Hammer. Zum Inland hin beschränkt das raue und schroffe Naukluftgebirge die Sicht, aber zu Küste hin kann man unendlich Weit sehen. Die Namib erstreckt sich hier wie ein roter Sandkasten. Langsam gehen wir wieder runter und die Kamera klickt im Arbeitsrausch. Die aufsteigende Sonne entlockt den pastellfarbenen Dünen kräftigere Farben. Unglaublich. Die Strukturen, die die Sonne und der Schatten den Dünen verpassen lassen jedes Fotografenherz höher schlagen. Wir sinken.

Das Vlei und eine Straße am Rand der Namib

Aus der geringeren Höhe lassen sich die mittlerweile blutroten Dünen besser fotografieren. Unser Pilot erzählt uns über die Dünen und die Pflanzen darauf. Anhand der unterschiedlichen Sandfarben kann man z.B. die normalerweise vorherrschende Windrichtung feststellen. Da der helle Sand grobkörniger und schwerer ist wird er stärker auf der Windseite einer Düne freigelegt als auf der windabgewanden Seite, da dort auch der feine rote Sand liegen bleibt.

Linien in der Namib

Das Gras auf den Dünen lebt von dem von der Atlantikküste landeinwärts getriebenen Morgennebel, denn Wasser gab es hier seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Ca. alle 12 Jahre führen die ansonsten ausgetrockneten Flussbette für eine kurze Zeit Wasser.

Das Grundwasser der ausgetrockneten Flussbetten sorgt trotzdem für eine stärkere Vegetations als in den restlichen Teilen der Namib. Gerade am Tage sammeln sich hier die Tiere. Unter den spärlichen Bäumen und Sträuchern suchen sie nach etwas Schatten und Nahrung.
Wir steuern nun auf ein solches ausgetrocknetes Flussbett zu. Der Ballon geht sanft tiefer und tiefer, bis wir nur noch wenige Zentimeter über der Baumkrone sind.
Wir halten Ausschau nach Oryxen, Springböcken und Schakalen, doch erst als wir wieder ein Stückchen höher gestiegen sind machen sich ein paar Springböcke bemerkbar.
Mit weiten ausladenden Sprüngen zeigen sie uns, dass sie ihrem Namen alle Ehre machen.
Am Rande der Dünen setzen wir zur Landung an und eine Crew jüngerer Afrikaner verankert den Ballon. Wir steigen aus und uns erwartet ein gigantisches Frühstück. Wir hatten viel erwartet, aber das nicht. So sitzen wir hier am Rande der Namib im roten Sand trinken Sekt und füllen den Magen mit belgischen Waffeln. Ein Leben wie Gott in Frankreich (Namibia).
Nach dem Frühstück geht es zurück zur Lodge. Erst auf der Fahrt im Landrover fällt mir auf, dass die Afrikaner deutsche Bundeswehrparkas an haben (noch mit Flagge darauf) und dann fällt mein Blick auf uns in den hochgekrempelten Hosen und T – Shirts. Was für uns der Sommer ist, ist für die Jungs der Winter. Sie sehen alle aus als wöllten sie zum Eisangeln und mir läuft der Schweiß.

Zurück in der Lodge, gestärkt vom Frühstück und in Entdeckerlaune beschliessen wir noch heute zum Sossusvlei zu fahren. Wir brauchen also einen Guide. Ich weiss nicht woher die Jungs von der Kulala – Lodge innerhalb einer halben Stunde einen Guide aufgetrieben hatten, aber die Tatsache, dass eigentlich alle Touren zum Sossusvlei morgens stattfinden sorgt dafür, dass wir den Guide für uns alleine haben.
Das Sossusvlei ist ein altes ausgetrocknetes Flussbett. Hier führt eine Straße in die sonst so schwer zugängliche Namib an deren Ende das Deadvlei ein hervorragendes Revier für Fotografen darstellt. Die Dünen am Rand des Sossusvlei gelten als die höchsten der Welt. Mit ca 300 Metern ist die Dune 9 (alle Dünen haben Nummern) die höchste von Ihnen. Die Dune 45 ist die einzigste die man betreten darf die restlichen sind streng geschützt. Am Ende des Sossusvlei herrscht eine stärkere Vegetation hier Parken wir unseren Landrover. Wir sind fast ganz alleine, doch die Fußspuren im Sand bezeugen die morgendlich anrollenden Touristenkolonen. Es ist einfach herrlich. Kein Pieps, kein Muchs nur ein leichter Wind und die senckende Sonne. Doch mit Wasser ausgerüstet machen wir uns auf den ca 1 km langen Marsch ins Deadvlei.

Große Dünen

Unterwegs macht uns unser Guide auf jedes Tier, jede Pflanze und jede Spur aufmerksam. Wir treffen einige Arten von Käfern, Echsen und Oryx. Wir schauen uns die Pflanzen an von denen sich die Oryxantilopen ernähren und ehe wir uns versehen sind wir schon am Deadvlei. Das Deadvlei ist ein alter Teil eines Flussbettes, dass sich die Namib wieder einverleibt. Nur eine runde, weiße Pfanne erinnert an das alte Flussbett. In ihr stehen alte, verknöcherte Bäume. Foto raus.
Wiedermal füllen sich die Speicherkarten der Kamera hier könnte ich noch stundenlang fotografieren und genießen, doch bis zum Sonnenuntergang müßen wir den Park verlassen haben. Wir begeben uns langsam auf den Rückweg.

Deadvlei Bäume

Bei unserer Rückkehr am Parkplatz wird dieser von Oryxantilopen besetzt. In jedem Busch und hinter jedem Strauch befinden sich die Antilopen. Wahrscheinlich kommen sie erst nach dem abklingen der morgendlichen Touristenströme hierher um sich an den Kameldornbäumen und anderen Pflanzen den Bauch voll zu schlagen.
Auf der Rückfahrt zur Lodge entdecken wir unseren ersten Schakal. Es ist ein Schabrackenschakal und wir feiern unser erstes Raubtier in Namibia.

Einsamer Schakal in der Namib

Fototips & Anmerkungen

Die Namib ist ein Traum für jeden Fotografen. Tiere, Pflanzen und Landschaften können auf jegliche Art und Weise fotografiert werden. Die Namib hat nur einen Nachteil. Sand. Ich musste noch nie auf so vielen Bildern Staub und Sand entfernen. Man sollte hier vorsichtig und selten seine Objektive wechseln und nach dem Aufenthalt die Kamera inklusive Sensor reinigen. Es ist besser Objektive im stehen zu wechseln anstatt in Bodennähe vor dem Fotorucksack. Ein Blasebalg und Pinsel sind Pflicht. Vorsichtig sollte man mit Tüchern sein, da die Reibung schnell die Oberfäche der Linse beschädigen könnte.

In unserem Reiseplan waren wir 2 Tage in der Namib. Dies ist aber schlicht nicht genug Zeit für das Sossusvlei. Meiner Meinung nach sollte man mindestens 3 Tage einplanen (natürlich wären 6 Monate besser ;) ). Das Sossusvlei sollte man auf jeden Fall einmal morgens mit den Touristenschwärmen und einmal Abends besuchen. Morgens kann man dann die Seenebel für Stimmungsbilder nutzen, und abends die Einsamkeit der Wüste einfangen. Durch unseren kurzen Aufenthalt konnten wir leider keine Morgenbilder machen, da wir zu dieser Zeit mit dem Ballon unterwegs waren.

Die Kulala – Desert – Lodge ist eine unglaublich tolle Lodge, doch wenn man zum fotografieren in das Sossusvlei kommt, dann sollte man darüber nachdenken in Sesriem selber zu übernachten. Der Campingplatz in Sesriem ist die einzige Möglichkeit im Namib – Naukluft – Nationalpark selber zu übernachten. Das hat den Vorteil, dass man morgens früher in das Sossusvlei einfahren kann, da die Tore zum Nationalpark erst eine Stunde später öffnen. Ausserdem kann man sich am Abend auch länger in den Dünen aufhalten. Den aktuellen Stand dazu sollte man allerdings noch einmal nachfragen.

Wer Luftbilder von der Namib machen will ist meiner Meinung nach mit dem Ballon optimal unterwegs. Natürlich kann man mit dem Ballon keine Flugroute vorgeben, aber durch den langsamen Flug und die freie Rundumsicht kann man während des Flugs aus den vollen Möglichkeiten der Fotografie schöpfen. Man muss sich kaum Gedanken zum Thema Verschlusszeiten machen. Und man hat das Gefühl in dem Umfeld zu sein. Man spürt die ersten Sonnenstrahlen und den Wind, was meiner Meinung nach sich auch auf die Stimmung der Bilder die man macht auswirkt. Weiterhin kann der Ballon auch ein Teil der Bilder werden. Die Aufhängung der Kapsel als Rahmen, oder der Schatten des Ballons als Blickfang können eine Landschaftsaufnahme verbessern und sind Teil einer Geschichte die man eventuell in einer private oder öffentlichen Diaschau verwenden kann.

Im nächsten Teil des Berichts fahren wir an die Küste um in Walvis – Bay mit Robben zu paddeln.

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