• Freitag, April 11th, 2008

Abstraktes Bild eines Schwarmes von Flamingos

In diesem Teil des Namibia – Fotoberichtes fahren wir durch die Wüste an den Atlantik um dort die Vogelwelt und die Robben von Walvis Bay zu bestaunen. Diesmal tauschen wir unseren 4×4 gegen ein paar Kajaks ein.

Auf an die Atlantik – Küste

Am nächsten Morgen verlassen wir die Kulala – Desert – Lodge. In Sesriem wird noch einmal aufgetankt, dann geht es in Richtung Küste. Wir haben heute die längste Fahrtstrecke unserer Tour vor uns. Fast 500 km geht es durch endlose Savannen und Wüste. Wir passieren zwei Gebirgspässe und die Anzahl der Flussbetten die wir Kreuzen vermag keiner zu zählen.
Die Strecke ist so interessant und abwechselungsreich, daß die Zeit im Fluge vergeht. Wir fahren durch Savannen wie man sie eigentlich nur von Kenia / Masai Mara kennt, durch schroffe, baumlose Geröll und Felswüsten, und zwischendurch auch durch Landschaften zu denen mir kein Vergleich einfällt.
An den Wegrändern befinden sich geplatzte Autoreifen oder ganze, verostete Autos.
Edliche Tiere kreuzen wieder unseren Weg. Darunter auch eine Herde Dromedare. Diese Dromedare sind ein Stück Geschichte Namibias. Wie die “Wildpferde” Namibias wurden sie während der Kolonialzeit eingeführt und entkamen oder wurden bei Abzug freigelassen.

Endlose Wüsten - Ebene

Walvis Bay – Mit dem Kajak zu den Robben

Mit fast leerem Tank kommen wir endlich in Walvis Bay an. Es ist frisch an diesem Morgen. Der kalte Benguela-Strom der direkt aus der Antarktis kommt und hier die Küste berührt bestimmt das Klima. Im namibischen Sommer (unser Winter) kommen die Afrikaner hierher an die Küste um Urlaub zu machen. Wie uns der Besitzer unserer Lodge erklärt ist dies der einzige Ort im Sommer an dem man die Hitze noch ertragen kann.

Ein Flamingo in der Lagune vor Walvis Bay Regenpfeifer in der Walvis Bay

Die komplette Walvis Bay Lagoon ist gefüllt mir Vögeln. Meistens sind es Flamingos, aber auch Pelikane und verschiedene Watvögel. Bei der Nahrungssuche strecken die Flamingos ihre Schnäbel in den Schlamm und beginnen sich im Kreis zu drehen um dabei die diversen Kleintiere herauszufiltern. So entstehen jede Menge kleiner Hügel im Watt um die herum die Flamingos das Watt weggetrampelt haben.
Und während die einen sich der Nahrungssuche widmen starten und landen Massen von anderen Vögeln wie Pelikane und Flamingos. Ein bisschen erinnert mich das Schauspiel an den Frankfurter Flughafen nur der Geräuschpegel ist angenehmer.
Ich mache ein paar Flugaufnahmen der Flammingos und wir geniessen den herannahenden Sonnenuntergang.
Denn Abend verbringen wir in einem schönen Restaurant, dass auf Holzstegen direkt über der Lagune steht. Bei einem sehr guten Essen beobachten wir wie die Vögel im Watt ihre Runden drehen und lassen den anstrengenden Tag ausklingen.

Flamingos vor dem Leuchtturm von Walvis Bay

Am anderen Morgen geht es früh raus. Heute wollen wir mit dem Kajak eine Robbenkolonie besuchen. Doch das Wetter sieht gar nicht so gut aus. Mäßiger Wind und eine fast geschlossene Wolkendecke machen unseren Trip ungewiss.
Aber erstmal geht es zum Frühstücken. Frühstück mit Blick auf die Walvis Bay und ewig dreht sich dort der Flamingo. Die Jungs sind immernoch oder schonwieder am Futtern.

Nach dem Frühstück werden wir von Ecomarine Seakayaking abgeholt und lernen unsere beiden Guides kennen. Wir haben zwei Guides weil wir nicht ganz allein unterwegs sein werden. Eine Filmcrew vom BBC, die hier eine Episode von Blue Peter Wild Africa dreht, wird uns begleiten. In Großbritannien kennt jeder Blue Peter.
Das gefällt mir. Ich bin ein großer Fan der BBC Dokumentationen und der Crew mal über die Schulter schauen zu können ist sicher sehr interessant.
Mit dem Jeep verlassen wir Walvis Bay in Richtung eines riesigen Sandstrandes. Kilometer um Kilometer folgen wir dem Strand.

Postkarten - Idylle am Pelican Point

Unterwegs treffen wir einige Hyänenspuren, die hier auf dem Sand nach angespültem Fressbaren und toten oder unerfahrenen Robben Ausschau halten.
Wir halten in einiger Distanz zur Robbenkolonie an. Sind die Robben an Land und wittern Gefahr flüchten sie sofort ins Wasser. Nähert man sich ihnen allerdings vom Wasser aus kennen sie keine Furcht. Ganz im Gegenteil. Die neugierigen Robben kommen bis Dicht an das Boot.
Wir packen uns warm ein und paddeln einige Meter vom Ufer weg, dann wechseln wir unseren Kurs in Richtung Robbenkolonie. Direkt an der Robbenkolonie gibt es einen größeren Wellenbrecher. Wir sind immer auf der Hut dort nicht hingetrieben zu werden. Ich packe die Kamera aus und mache einige Fotos. Ein Auge für die Robben das andere auf die hohen Brandungswellen.

Hyänenspur und Robbenknochen

Walvis Bay:

Bezirk: Erongo
Geografische Lage:
22° 57′ 27″ S, 14° 30′ 19″ O
Fläche: 1.124 qkm
Einwohner: 52000
Bevölkerungsdichte:
46 Einwohner je qkm
Gegründet:
vor 1795

Die Robben kommen direkt an das Boot. Manche scheinen sich ein Spaß daraus zu machen uns mit ihren Flossen das salzige Meerwasser entgegenzuspritzen.
Und plötzlich passiert es. Eine der Robben versucht eines unserer Kayaks zu überspringen und landet direkt auf dem Heck. Nach einem verdutzten Blick und einigen unbeholfenen Bewegungen gleitet sie wieder zurück in ihr Reich. Neugierde und Verspieltheit zeichnen diese Tiere aus.
Mittlerweile kommen auch die Leute von der BBC und machen ihre Aufnahmen. Wir paddeln Richtung Amerika (offenes Meer) in der Hoffnung noch ein paar Delfine zu sehen, aber wir scheinen kein Glück zu haben. Zu Rauh ist die See und wir können in den Wellen der Gischt keine ihrer Rückenflossen wirklich klar bestimmen.

Robben begutachten unser Kajak

Wir machen uns mit unserem Guide wieder auf den Rückweg und stoppen noch einmal an der Kolonie um das Schauspiel das sich uns bietet zu geniessen. Die BBC dreht immernoch an ihren Szenen. Wir drehen schonmal ab in Richtung Wagen. Nachdem wir uns abgetrockneten haben und schon der erste warme Tee die Gurgel hinunter läuft trifft auch die Crew der BBC ein. Wir schmunzeln als die Jungs von der BBC bei der Landung kentern . Robben, Abenteuer, warmer Tee und Schadenfreude lassen unseren Kajaktrip zu einem wunderschönen Erlebnis werden.

Auf der Suche nach Delfinen

Swakopmund – Afrikas Hauptstadt der Schwarzwälder Kirschtorte

Am Nachmittag wollen wir Swakopmund besuchen. Doch der Weg dorthin wird schon zum Abenteuer. In Walvis Bay selber gab es keinerlei Ankündigung dessen was uns auf der Fahrt bevor stand.
Kein Windchen, kein Lufthauch war zu verspüren als wir in unseren Geländewagen einstiegen.
Kaum hatten wir Wavis Bay verlassen kommt Wind auf. Die Palmen biegen sich und Sandverwehungen bedecken die Saltpad (Straße aus einem Salzgemisch).
Der Sand fliegt in kleinen wellenartigen Bewegungen über die Straße, die Motorhaube und die Windschutzscheibe. Fast die ganze Strecke führt entlang der Atlantikküste. Brecher von unglaublicher Größe schlagen hier an der Küste auf und spritzen den Atlantik haushoch in die Luft.

Sandwehen auf der Straße

Swakopmund:

Bezirk: Erongo
Geografische Lage:
22.67°S, 14.52°O
Fläche: 112,9 qkm
Einwohner: 25.000
Bevölkerungsdichte:
220 Einwohner je qkm
Gegründet: 4 August 1892

Und plötzlich war alles wieder vorbei. Die Sonne strahlt vom Himmel und man konnte den Tag wieder als idylisch bezeichnen. Wiedermal wurde uns bewußt, daß hier die Naturgewalten herrschen und nicht der Mensch.
In Swakopmund bummelen wir durch die Stadt und am Strand entlang. Wir besuchen das Aquarium, dass sich allerdings nicht mit europäischem Standard messen kann. Trotzdem ist es ein Besuch wert.
Swakopmund ist die Stadt der Schwarzwälder Kirschtorte. Hier spürt man noch sehr deutlich den Einfluss der Kolonialherrschaft der Deutschen.

Man sollte auch auf jeden Fall sich die Gebäude der Innenstadt ansehen. Gebäude aus der Kolonialzeit geben Swakopmund einen ganz besonderen Flair.
Wir tanken noch einmal das Portemonnaie an der hier ansäßigen Bank und begeben uns wieder auf den Rückweg.
Der Abend klingt wieder in dem Restaurant auf Stelzen aus. Wir beobachten das Vogelleben der Lagune und reissen noch ein paar “BBC – Kenter – Witze”.

Fototips & Anmerkungen zum Reiseabschnitt

Der Streckenabschnitt zwischen Sesriem und Walvis Bay ist ein wahrer Genuss. Heute wünschte ich dort viel häufiger angehalten zu haben und mehr Bilder gemacht zu haben. Für den Landschaftsfotografen sind die unterschiedlichen Landschaftsformen, die sich hier auf nur 500 km sammeln ein gefundenes Fressen. Trotzdem darf man während der Fahrt nicht sonderlich trödeln, ausser man möchte auf der Strecke auch übernachten. Die Fahrt ist anstrengend und verbraucht ziemlich genau eine Tankfüllung. Ich habe mir auf der Tour durch Namibia nur einmal gewünscht einen Ersatzkanister dabei zu haben, und das war auf dieser Strecke.

Die vielen Autoreifen und Autowracks an der Strecke bieten einiges an Fotomaterial und eignen sich ideal um die Härte der Wüste abzulichten.

Walvis Bay selber ist ein Paradies für Ornitologen und Vogel – Fotografen. Die flache Bucht bietet hervorragende Bedingungen für Vögel aller Arten. Man kann hier mit einem Teleobjektiv von 300 mm schon Problemlos gute Bilder machen. Die Vögel lassen sich bei ihrem Alltag kaum stören.

Um mit dem Kajak die Robben zu besuchen sollte man sich einen Guide nehmen. Es gibt viele Dinge die man einfach bei einem Besuch der Kolonie beachten muss. Ecomarine ist hier ein guter Anlaufpunkt (http://www.emkayak.iway.na).

Um an der Atlantikküste zu paddeln sind meiner Meinung nach keine großen Vorraussetzung nötig. Wer allerdings beim Paddeln richtig fotografieren möchte, der sollte das vorher schon einmal getestet haben. Die Ausrüstung habe ich beim paddeln immer in einem wasserdichten Sack auf oder zwischen meinen Beinen liegen und hole die Kamera je nach Situation hervor. Ich habe auf dieser Tour eine wasserdichte Fotohülle getestet. Diese hat sich allerdings nicht bewehrt. Viele der Bilder hatten nachher einige durch die Hülle verursachten verschwommene Stellen. Ich nutze im Kajak gerne Superzooms. Wie z.B. ein 18 – 200 mm. Damit kann man idealer weise sowohl nah heranzoomen als auch Aufnahmen machen die die eigene Kajakspitze noch mit im Bild haben. Die Kajakspitze ist immer gut für das “Kajakfeeling” im Diavortrag.

Last but not least – Das Restaurant auf Stelzen heisst “The Raft” und sollte unbedingt auch euren Abend versüßen.

Im nächsten Teil der Namibia – Fototour fahren wir nach Cape Cross. Dort Leben bis zu 250.000 Seebären. Schabrackenschakale machen hier Jagd auf deren Jungen und der Sonnenuntergang sucht weltweit seines gleichen vergeblich.

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