• Freitag, April 18th, 2008

Ein junger Seebär wird gesäugt

In diesem Bericht erzähle ich euch von unserem Aufenthalt am Cape Cross. Wir wurden Zeuge des Kampfes zwischen Schakalen und Seebären und durften einen wunderbaren Sonnenuntergang erleben.

Cape Cross – Stadt der Robben und Schakale

Wir verlassen Walvis Bay direkt nach einem ausgiebigen Frühstück, und fahren die selbe Strecke wie am Tag zuvor nach Swakopmund. Diesmal gibt es keinen Windhauch, trotzdem peitscht der Atlantik unnachgiebig die Küste entlang. Die Saltpads (Straßen aus einem Salzgemisch) sind sehr rutschig um diese Uhrzeit. Wenn sich der morgendliche Tau / Nebel auf die Saltpads legt werden sie zu heimtückischen Rutschbahnen.

Die Seebären - Kolonie am Cape Cross

Am Cape Cross landete im Jahre 1486 der portugiesische Seefahrer Diego Cao und war damit wohl der erste Europäer in Namibia, Er errichtet am Cape Cross ein Steinkreuz, dass über die Jahre immer wieder mal ersetzt wurde. Heute stehen dort zwei Kreuze, aber das eigentlich interessante ist die bis zu 250.000 Tiere zählende Robbenkolonie und deren Schakale.

Cape Cross:
Erste Landung von Europäern in Namibia 1486
Entdecker Namibias ist Diego Cao
Ohrenrobben Kolonie von bis zu 250.000 Tieren

Die südafrikanische Seebären werden auch Ohrenrobben (Arctocephalus pusillus) genannt. Sie haben das komplette Kap zu ihrem Territorium erklärt und die Regierung hat daraufhin einen Nationalpark darum gelegt.
Die Männchen werden bis zu 250 cm lang und die Weibchen bis 180 cm.

Nachdem wir unseren Permit gelöst haben fahren wir vorsichtig durch den Nationalpark in Richtung Küste. Kurz bevor wir die Küste erreichen sehen wir den ersten Schakal. Es sind ausschließlich Schabrackenschakale, die wir hier antreffen. Sie kommen überall in Namibia vor und sie scheinen jedem Gelände, jeder Trockenheit und jeder Ödnis zu trotzen.
Wir machen ein paar Fotos und fahren weiter. Immer näher kommen wir der Küste bis plötzlich ein kleiner Parkplatz erscheint. Einige Menschen stehen an einer niedrigen Mauer und schauen in die Ferne. Wir packen unsere Fotoausrüstung zusammen und wollen gerade aussteigen als wir feststellen, daß der Schakal, der gerade zwischen den Autos durchläuft anscheinende jegliche Vorfahrt genießt.

Schabrackenschakal bei der Mittagspause

Wir folgen den Spuren im Sand in Richtung Mauer. Schon dabei fällt uns auf, daß mindestens soviele Pfotenabdrücke im Sand abgebildet sind wie Schuhsohlen. Der nächste Eindruck der uns erreicht ist der Geruch. 250.000 fischfressende Tiere haben ihre eigene und besondere Note, aber schon nach wenigen Minuten hat man sich daran gewöhnt.
Sofort nachdem man die Menge überschaut hat und sich einzelnen Szenen in der “Stadt der Robben” widmet erliegt man dem “Big Brother Effekt”. Es ist als ob man von oben in eine Stadt sehen kann. Wohnzimmer, Kinderstuben, Küchen, Kreissäle und Sterbehäuser. Sie alle sind einsehbar und jede Szene hat ihre eigene Dramatik.

Ich beim Fotografieren am Cape Cross

Während wir auf der kleinen Mauer sitzen springt ein Schakal in einiger Entfernung auf die Mauer. Seine Augen sind in die Robbenkolonie gerichtet. Er wandert immer näher auf uns zu. Immernoch scheint er keine Notiz von uns zu nehmen, seine Aufmerksamkeit gilt voll und ganz den Robben. Kurz vor uns springt er von der Mauer und macht sich auf den Weg durch die Robben,
Er hält gebührenden Abstand von den erwachsenen Robben, die ab und zu mal nach ihm Hacken. Junge Robben dagegen treten umgehend die Flucht an. Langsam verschwindet der Schakal in dem undurchdringlichen Gewühl von Robben. Wir verlieren ihn aus den Augen.
Nach ca 5 Minuten erscheint er wieder wie aus dem Nichts. Er hat Beute gemacht. Ein Jungtier zwischen den Zähnen meistert er den Spiessrutenlauf durch die Alttiere zurück zur Mauer. Immernoch sucht der Schakal die Gegend ab. Er ist auf der Hut.

Schakal auf der Mauer Zwei Schakale streiten um Beute

Wenige Sekunden später sollten wir erkennen warum. Als sich der Schakal einen ruhigen Platz zum fressen gesucht hatte kommt ein Zweiter auf ihn zu gelaufen. Knurrend, fauchend, bellend und die Haare zu Berge stehend macht er unmissverständlich klar warum er hier ist. Der kleinere Schakal muß sich geschlagen geben. Seine Beute ist futsch und sofort nimmt er wieder Kurs in Richtung Robbenkolonie um sich eine weitere Mahlzeit zu besorgen.
Die Robbenkolonie mit ihren Jungen, Todgeburten und Nachgeburten ist die Lebensgrundlage dieser Schakale und man kann den rauhen Kampf um fressen und gefressen werden hier hautnah miterleben.

Ein Pelzrobben - Bulle vor einer Brandungswelle Ein Schakal sondiert die Lage

Wir waren edliche Stunden am Cape Cross und sind nur wehmütig in Richtung Loge abgefahren. Zu Spannend und zu interessant ist die “Stadt der Robben”. Wir haben den Tieren bei der Jagd zugesehen und bei der Pflege der Jungtiere. Sogar einer Geburt konnten wir beiwohnen und leider sahen wir auch den Tod. Wildnis hautnah. Das war der Grund warum wir nach Namibia gekommen waren und das haben wir hier am intensivsten erlebt.
Gegen Abend kehren wir in der “Cape Cross Lodge” ein. Nur wenige Autominuten vom Park entfernt.

Die Cape Cross Lodge liegt direkt am Strand. Wasser muß hier mit einem Lkw angefahren werden und auch Strom muß in Eigenproduktion hergestellt werden. Für die Nacht gibt es Kerzen.
Wir beziehen unser Zimmer und ich mache es mir am Balkon gemütlich. Während ich meiner Fotoausrüstung die notwendige Pflege zukommen lasse höhre ich leise die Steine unter unserem Balkon knirschen. Zwei Schakale sind direkt unter mir. Beide schauen sich wieder sehr vorsichtig um, und nun erkenne ich ihr Ziel. Keine 10 m entfernt liegt ein mit Wasser gefüllter Betonring, den die Zwei ansteuern um mal wieder richtig aufzutanken.
Ich unterbreche meine “Fotoputzaktion” um die beiden zu beobachten. Wie ein abgesprochenes Team verlassen sie einige Minuten später wieder die Lodge. Mit dem Fernglas beobachte ich sie noch eine Weile bis ich sie am Ende des Strandes aus den Augen verliere.

Sonnenuntergang am Cape Cross

Wir haben den Atlantik im Westen und keinen Wolke am Himmel. Es ist also genau der richtige Ort und Zeitpunkt um ein paar Sonnenuntergänge zu verewigen und zu genießen.
Wir gesellen uns an den Strand, der jetzt von hunderten von winziger Krabben als Highway genutzt wird. Ich baue das Stativ auf und Versuche den vom Meer umspülten Felsen zum Bildaufbau zu nutzen.
Ein Sonnenuntergang wie im Bilderbuch baut sich vor uns auf.

Ein Fels in der Brandung

Der Horizont wechselt seine Farbe in eine Mischung aus Gold, Gelb und Orangetönen. Die Sonne sinkt so schnell, daß ich mich eher wie ein Sportfotograf als ein Landschaftsfotograf fühle. Noch nachdem die Sonne schon untergangen war machte ich noch einige wunderschöne Bilder. Die Sterne Namibias erschienen am Himmel und wurden in einen wunderschönen Farbenzauber getaucht.
Doch mitten in dem Stimmungsrausch meldet sich der Magen und erinnert uns an das noch anstehende Abendessen und die Tatsache, daß wir den ganzen Tag nicht wirklich etwas gegessen hatten. Meeresrauschen und Kerzenschein beenden diesen einzigartigen Tag.

Blaue Stunde vom Feinsten

Fototips & Anmerkungen zum Reiseabschnitt

Auf dem Weg nach Cape Cross fährt man teilweise auf Saltpads. Diese sind äusserlich aus dem Auto heraus kaum von normalen Teerstrassen zu unterscheiden. Diese Salzstrassen sind unglaublich glatt, sobald sie feucht sind. Man sollte hier sehr vorsichtig fahren.

In Cape Cross selber reichen Zooms bis 200 / 300 mm um gute Fotos zu machen. Da man relativ nah an die Robben heran kommt macht auch der Einsatz eines Weitwinkel – Objektives Sinn.

Man sollte die Mauer, die an einigen Stellen eingebrochen ist, nicht überschreiten. Die Robben flüchten sonst in Panik, dabei könnten junge Tiere getötet werden.

Junge Robben können nicht schwimmen. Wenn die Elterntiere in das Meer flüchten und ihnen die Jungtiere folgen, dann ertrinken diese.

Auch wenn man an der Kolonie sich nur an einer Stelle befindet, sollte man genügend Zeit einplanen. Die Interaktion zwischen Schakalen und Robben kann einen für viele Stunden fesseln.

Zur Aufnahme der Sonnenuntergänge kann ich nur einen Verlauffilter empfehlen. Der Kontrastunterschied wird sonst einfach zu hoch.

Während unseres Aufenthalts war immer ein knackiger Wind an der Küste. Man sollte sich entsprechend schützen.

Öffnungszeiten und Informationen zum Park findet ihr hier (http://www.met.gov.na/resorts/cape_cross.html).

You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.
Leave a Reply