• Freitag, April 25th, 2008

Endemische Aloe

In dieser Folge möchte ich euch mit an den Brandberg nehmen. Dort begeben wir uns auf die Suche nach den Wüstenelefanten.

Der Weg zum Brandberg

Am nächsten Morgen fahren wir wieder in Richtung Süden um nach einigen Kilometern in Richtung Landesinnere vorzustoßen. Heute soll der Tag der Geländefahrten werden . Ich wußte nur noch nichts davon.
Mitten auf dem Weg erkennen wir in der Ferne eine Baustelle. Baustellenfahrzeuge sind dort an der Arbeit. Sie haben die Straße komplett mit Erde zugehäuft. Eine ca 20 – 30cm lockere Erdschicht sorgt für das richtige “Rally-Paris-Dakar-Feeling” auf den nächsten 15 km. Ohne unseren Offroader hätten wir hier einpacken können und einen riesigen Umweg in kauf nehmen müßen.
Kurz vor dem Brandbergmassiv biegen wir in eine Seitenstraße ein um dort nach den Welwitschias zu suchen. Der Brandberg ist vor ca. 130 mio Jahren entstanden und seine höchster Gipfel der Königsstein liegt bei 2.573 m. Das ovalförmige Massiv ist ca 760 qkm groß.

Brandberg Massiv:

Alter: ca. 130 mio Jahre
Fläche: ovalförmig 760 qkm
Höhe: 2.573 m
Spitze: Königstein
Besonderheiten:
1. Felsmalereien
2. Wüstenelefanten
Koordinaten (ca):
21° 07″ S
14° 33″ O

Auch nach gut 80 km auf der Seitenstraße an der die Welwitschias stehen sollen können wir keine einzige ausmachen. Wie wir später erfahren sollen hätten wir noch einige Kilometer mehr fahren müßen, aber die Wüstenelefanten warteten auf uns. Unterwegs konnten wir noch eine endemische (wächst nur hier in einem kleinen Umkreis) Aloenart ausmachen.
Wir verlassen unsere Seitenstraße wieder und fahren direkt in Richtung Brandberg.
Die nächsten Dörfer sind von Menschen besiedelt, die hier im Bergbau arbeiten. Die Region wird immer Ärmer. Wellblechhütten sind keine Seltenheit und an jeder Kreuzung stehen Steinverkäufer, die ihre verschiedenen Quarze verkaufen wollen.
Nach einem Tankstop biegen wir von der Hauptstraße ab in Richtung Brandberg White Lady Lodge unserem Ziel des heutigen Tages. Es ist mittlerweile Mittag geworden und die Sonne brennt. Wir nutzen die Zeit um uns frisch zu machen und etwas zu relaxen.
Doch der Entdeckungsdrang zieht uns weiter. Wir machen einen Guide klar um die Wüstenelefanten aufzuspüren. Wir werden gefragt ob wir im eigenen Auto fahren möchten oder einen 4×4 mieten möchten. Nachdem geklärt wurde, daß aus dem Auto heraus keine Fotos von den Elefanten gemacht werden können stelle ich mich gern als Fahrer zur Verfügung.

Auf der Suche nach den Wüstenelefanten

Auf dem Weg zu den Wüstenelefanten Auf dem Weg zu den Wüstenelefanten

Ich wußte noch nicht auf welches Abenteuer ich mich eingelassen hatte. Wir fuhren direkt durch die Anlage der Lodge und deren kleiner Campingplatz in ein fast ausgetrocknetes Flussbett. Hier gibt es keine Straßen, keinen Weg, teilweise nichtmal mehr eine Spur. Einige stellen des Flußbettes waren noch mit Wasser gefüllt. Auch hier ging es hindurch, immer strikt den Anweisung des Guides folgend. Plötzlich standen wir vor einer Horde Paviane.

Aber es waren namibische Paviane. Die waren schneller wieder Weg als wir schauen konnten.Paviane gehören zu den scheuesten Tieren die wir in Namibia angetroffen haben. Keine der Erzählungen von aufdringlichen Tieren konnten wir bestätigen.
Wir halten zwischendurch immer wieder an. Schauen nach Spuren oder Kot im Flußbett und erklimmen ein paar Felsen um einen besseren Ausblick zu bekommen.
Wir stoßen auf frische Spuren. Sie führen weiter in das Tal hinein. Wir folgen den Elefanten Kilometer für Kilometer. Wieder sitzen wir auf einem Berg und halten Ausschau über das Tal.

Ausblick über das Tal der Wüstenelefanten am Brandberg

Paviane beobachten uns aus ihrem sicheren Versteck von einem anderen Bergrücken. Ab und zu erfüllt einer ihrer Belllaute das Tal mit Leben, dann folgt wieder Stille. Es geht wieder Bergab wir fahren weiter und treffen auf eine frischere Spur als die, der wir folgen, und drehen um. Diese Spur führt exakt in die entgegengesetzte Richtung. Unser Guide ist sich sicher das die Elefanten noch in der Nähe sind. Wieder geht es auf einen Berg. Wir verweilen für einige Zeit. Plötzlich schlackert ein Ohr aus einem Gebüsch. Auch wenn Elefanten sehr groß sind, sind sie hier nicht leicht zu erkennen. Sie tun das was alle Elefanten den ganzen Tag tun. Fressen. Es ist eine Gruppe von ca 8 – 10 Tieren. Es ist sehr schwer die Tiere zu zählen, da man in dem Gebüsch die Tiere nie alle auf einmal sehen kann.
Wir können leider nicht näher an die Tiere ran. Im Gegensatz zu den Elefanten in den großen Nationalparks sind diese keine Menschen gewöhnt und so bleibt uns nur der Blick über das Tal.

4×4 im Tal der Wüstenelefanten

Wir folgen den Elefanten in größerer Entfernung und wechseln noch einige Male den Berg um eine bessere Aussicht zu haben, dann wird es Zeit für die Rückfahrt zur Lodge.

Wüstenelefanten - Das Beweisfoto

Die Offroad – Prüfung

Nachdem ich den ganzen Tag mein Offroadtraining bekommen habe sollte der Rückweg noch eine entsprechende Prüfung enthalten. Wir waren auf dem Hinweg einen ca 50 cm hohen Absatz hinunter gefahren.
Hinunter war leicht, aber wie wieder rauf ? Ich halte vor dem Absatz. Versuche es langsam mit der hohen Übersetzung, aber der Wagen hat so nicht genug Kraft.
Ich schalte in den Low-Gear es passiert aber nicht viel. Nach dem 5ten “Go on – No problem !!!” des Guides kommt meine innere Spontanität zum Ausdruck ich gebe mal richtig Gas. Der Offroader geht vorne hoch, jetzt hat er mehr als genug Kraft für diesen “Hüppel”, und der Guide bereut sein “Go on – No problem !!!” als er mit seinem Kopf an die Decke des Offroaders knallt.
Wir haben es geschafft der Absatz ist hinter uns. Ich schaue den Guide an, er reibt sich den Kopf und schaut mich mit verdutztem Blick an. Nach einem “Sorry, are you ok. It was my first time in low gear.” kommt wieder ein Lächeln zurück in sein Gesicht.
Der Rest vom Weg verläuft unspektakulär. Mit einem dickeren Trinkgeld für den Guide versuche ich mein Gewissen wieder reinzuwaschen und wir verabschieden uns bis zum Abendessen.

Offroaderlebnis am Brandberg

Wüstenelefanten in der Nacht

Der Rest des Abends läuft wie folgt ab: Duschen, Abendessen, In der Lodge mit anderen Gästen unterhalten, Bett.
Nun wird es ruhig in der Lodge. Bevor meine Augen ihren Schlaf finden stellen sie noch fest, dass das Dach hier Schlitze aufweist durch die man die Sterne sehen kann. Wir schlafen.
Plötzlich ertönt ein Geräusch. Es muß direkt neben unserer Cabin sein. Das tröten eines Elefantens ist zu hören. Sie sind da. Mitten in der Lodge.
Noch einige Minuten lauschen wir den Geräuschen der Nacht und dem Werken der Elefanten, dann fallen wir wieder in tiefen Schlaf.

Elefanten an der Lodge

Elefantenknochen im Garten

Am anderen Morgen zwischen Bad und anziehen in ein Gespräch über die Geräusche der letzten Nacht vertieft hören wir das knacken von Ästen direkt hinter unserer Cabin. Die Geräusche sind sehr laut und die Äste scheinen sehr dick zu sein. Die Elefanten ??? Da wir sowieso wieder packen müßen haben wir noch etwas Zeit bevor wir die Cabin verlassen wollen und lauschen dabei den Geräuschen von draußen. Wir haben unsere Packaktion beendet und müßen nun aus der Cabin. Die Geräusche sind noch genauso aktiv wie zuvor und ich beschließe eine vorsichtige Erkundungstour zu wagen. Langsam öffne ich die Tür und schleiche um die Ecke um kurz darauf den Guide anzutreffen, der hinter unserer Cabin Feuer für warmes Wasser macht, und dabei einen Ast nach dem anderen zerbricht. Mit einem tiefen Grinsen im Gesicht tragen wir die Taschen in den 4×4 und fahren zum Frühstück in das Hauptgebäude. Anschließend geht es ab Richtung Erongomassiv.

Fototips & Anmerkungen zum Reiseabschnitt

Die Wüstenelefanten am Brandberg zu fotografieren ist etwas ganz anderes als Elefanten in einem Nationalpark abzulichten. Die Tiere sind nicht an Menschen gewöhnt und deshalb sehr scheu.

Man kommt nicht so nah an Wüstenelefanten heran, wie an “Nationalpark – Elefanten”. Deshalb erfordern gute Aufnahmen ein langes Telezoom. Ich bin mit meinen Aufnahmen von diesem Reiseabschnitt nicht zufrieden, da ich auf leichtes Gepäck gesetzt hatte und deshalb weder lange Brennweiten noch ein Stativ dabei hatte. Ich dachte, dass es wichtiger sei flexibel und schnell unterwegs zu sein. Deshalb ist das einzige nicht verwackelte Bild der Wüstenelefanten mehr ein Beweisfoto als eine Fotografie.

Auch wenn man diese Ausflüge nur am Morgen oder Abend macht, sollte man auf keinen Fall auf Sonnenhut und genug Trinkwasser verzichten. Die Temperaturen die in dem windstillen Tal entstehen können einem sonst sehr schnell in den Kopf steigen.

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