• Sonntag, Juli 06th, 2008

Was ist das Repertoire eines Fotografen ? Etwa sein Bildarchiv ? Was macht man damit, und wie erweitert man es ? Sicher ist, das Repertoire ist für einen Fotografen das Herz seines Könnens, und sollte deshalb auch in meinem Blog eine eigene Kategorie bekommen.

Der Unterschied zwischen Studio und Live – Fotografie

Studio und Live – Fotografie stellen einen Fotografen vor zwei verschiedene Probleme während der Studio – Fotograf in einem kontrollierten Environment tätig ist, und somit vor unvorhersehbaren Einflüssen weitgehend geschützt ist, ist der Live – Fotograf konstant mit unvorhersehbaren Zwischenfällen konfrontiert. Trotzdem müssen beide Formen von Fotografen ihr Repertoire ständig erweitern. Aber warum ?

Der Studio – Fotograf

Er muss sein Repertoire ständig erweitern, da seine Bilder sonst vorhersehbar und eintönig werden. In seiner Sparte muss man, um erfolgreich zu sein, ein ständig wechselndes und sich erweiterndes Repertoire in der Bildgestaltung aufweisen.

Der Live – Fotograf

Wer “im Leben” fotografiert bekommt selten eine zweite Chance. Ein verpasster Moment, weil man sich zu Lange mit der Bildkomposition befassen musste, oder vor Ort experimentieren musste, weil einem keine Möglichkeiten der Gestaltung eingefallen sind, und man bedauert die verpasste Situation. Der Live – Fotograf erahnt die Zukunft, hält das Jetzt fest und bedauert die Vergangenheit. Ein großes Repertoire an Gestaltung ist also nötig, um für jede Situation und jeden Moment gewappnet zu sein.

Was passiert im Hirn eines Fotografen ?

Die Wahrnehmung des Menschen basiert auf der so genannten Wahrnehmungskette. Diese besteht aus 4 Phasen. Diese 4 Phasen sind Aufnahme, Auswahl, Verarbeitung und Interpretation und sollen hier in einfachen Worten erklärt werden:

1. Aufnahme

Die Aufnahme besteht aus der rein physikalischen Aufnahme der Reize im Auge und der Weiterleitung an das Gehirn.

2. Auswahl

Das Gehirn wählt die für es wichtigen Informationen aus dem “Rohmaterial” aus.

3. Verarbeitung

Die Information wird verarbeitet indem das Gehirn die Daten mit bereits im Gehirn gespeicherten Informationen vergleicht. Das Wissen aus dieser
Datenbank oder Repertoire ist die Grundlage der Interpretation.

4. Interpretation

Die Schlussfolgerung aus den vorher gesammelten Daten.

Möglichst schnelle Endscheidungen trifft man also, wenn man möglichst schnell in der Phase der Interpretation ankommt. Dafür sollte man sich nicht lange in Phase 3, der Verarbeitung, aufhalten. Damit ist klar, dass man eine möglichst großes Repertoire an Gestaltungmöglichkeiten aufbauen sollte.

Die Sackgasse

Um nicht in eine Sackgasse zu laufen ist es jedoch wichtig die Verarbeitung nicht durch eine Standard – Antwort zu ersetzen. Man könnte z.B. alle seine Bilder nach dem goldenen Schnitt aufbauen. Das Ergebnis wäre allerdings ein sehr eintöniges Bildarchiv.

Durch autogenes Training und ein bewusstes Repertoire die Phase 3 beschleunigen

Viele Fotografen kennen ihr Repertoire überhaupt nicht. Ihnen ist nicht bewusst, wann sie wie und warum eine Aufnahme in einer bestimmten Art und Weise gemacht haben. Ein Blick in das eigene Fotoarchiv und das Hinterfragen der eigenen Aufnahmen kann dabei helfen, sich sein eigenes Repertoire bewusst zu machen. Ein Hinterfragen der Aufnahmen anderer Fotografen kann das eigene Repertoire erweitern.

Durch autogenes Training kann man den Schritt der Verarbeitung beschleunigen, indem man sich bestimmte Situationen bewusst macht, eventuell sogar speziell auf eine bestimmte Situation hinarbeitet. Z.B. wie geht man mit zu erwartenden Lichtsituationen um ?

Die neue Serie und Kategorie in meinem Blog: Repertoire

Dieser Artikel soll der Grundstein für eine Serie in meinem Blog sein. Ich möchte Anhand von einzelnen Bildern Beispiele aus meinem Repertoire vorstellen, um euch Anregungen zu geben und mir mein Repertoire bewusster zu machen.

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