• Dienstag, März 31st, 2009

Schwalben auf dem Drahtseil

Um sich einem Vogel zu nähern ohne ihn zu stören, sollte man wissen wie der Vogel seine Umgebung wahr nimmt. Außerdem ist es wichtig zu wissen wie ein Vogel bestimmte Reize interpretiert…

Vogelfotografie: Die Sinneswelt der Vögel

Vögel nehmen ihre Umwelt anders war als Menschen. Mit Adleraugen ziehen manche Vögel durch die Lüfte und machen es dem Fotografen schwer unbemerkt zu bleiben. Doch auch die Sinneswelt ist von Vogel zu Vogel verschieden.

Rauchschwalbe

Riechen

Bei den meisten Vögeln ist das Riechorgan in der Nasenhöhle stark zurückgebildet. Man geht sogar davon aus das die meisten Vögel so gut wie nichts riechen. Ausnahme sind verschiedene Seevögel wie Sturmtaucher und Sturmschwalben die über röhrenförmige Nasenlöcher verfügen und damit Abfälle und Kadaver, die auf der Meeresoberfläche schwimmen, wahrnehmen können. Der Riechsinn ist also beim fotografieren uninteressant. Das ist ein großer Unterschied zur Säugetier – Fotografie.

Hören

Der Hörsinn der Vögel ist in der Regel gut ausgebildet. Bei manchen Vögeln, sogar sehr gut. Bartkäuze und Schleiereulen jagen hauptsächlich mit ihrem Gehör. Die Kopfform der Schleiereule funktioniert wie eine Satellitenschüssel und bündelt den Schall der von vorne in den Schädel der Eule einfällt. Dadurch ist diese in der Lage Mäuse selbst unter der Schneedecke zu jagen. Beim Fotografieren sollte man sich also so still wie möglich verhalten. Vögel an sich gehen allerdings mit Geräuschen sehr großzügig um. Ihre Kommunikation basiert auf einer komplizierten Gesangs, Grächz und Klopf- oder Schlaggeräusche – Kombination. Je nach Art unterschiedlich. Bei großen Ansammlungen von Vögeln kann das eine laute Geräuschkulisse erzeugen. Diese Geräuschkulisse ist ideal, da sie die Geräusche der Kamera und des Fotografen dann übertönt.

Sehen

Der Sehsinn ist der entscheidende Faktor, wenn mich ein Vogel entdeckt, dann meistens, weil er mich gesehen hat. Piloten müssen in der Regel ein gutes Sehvermögen haben und jeder Vogel ist irgendwo ein Pilot. Aber auch nicht jeder Vogel hat Adleraugen. Ein Adler kann die Bewegung eines Hasen aus einer Entfernung von ca 3 km erkennen. Eulen haben einen extremen “Restlichtverstärker” der ihnen auch noch Nachts eine gute Sicht verleiht. Dagegen ist die Auflösung der Eulenaugen relativ gering.

Das Sichtfeld der Vögel hat sich dem Räuber / Beute Prinzip angepasst. Sprich Raubvögel haben ihre Augen meist vorne am Schädel damit sie ein möglichst großen Bereich haben in dem sie dreidimensional Sehen können. Bei der Jagd nach der Beute ist dieses Fähigkeit wichtig um die Entfernung abschätzen zu können. Vögel die in der Regel zur Beute anderer Räuber werden haben ihr Augen meistens rechts und links außen am Schädel. Dadurch sehen die Tiere ein möglichst großes Umfeld. Allerdings ist der Bereich des dreidimensionalen Sehens sehr eingeschränkt. Eine Waldschnepfe kann dabei 360° sehen und hat zwei kleine Bereiche wo sie 3D sehen kann. Und zwar vorne und hinten. Die Bereiche des 3D Sehens sind für die Pirsch sehr interessant. Ich versuche mich dem Vogel nur zu nähern, wenn ich nicht in dem 3D Bereich bin. In diesem Bereich kann der Vogel einschätzen ob ich mich ihm näher. Im 2D Bereich reagieren Vögel in der Regel auf ein Objekt das größer wird. D.h. wenn man sich dem Vogel nähert sollte die Silhouette möglichst klein bleiben damit der Vogel es schwer hat eine Größenveränderung wahrzunehmen. Im Toten – Bereich, wo der Vogel nichts sieht, ist die Annäherung am einfachsten.

Vögel haben noch einen weiteren Vorteil beim sehen. Sie sehen Lichtbereiche, die wir Menschen nicht mehr sehen können. Den UV Bereich. Für uns sehen Blaumeisen alle gleich aus. Egal ob Männchen oder Weibchen. In Wirklichkeit sehen sie allerdings anders aus. Die Unterschiede liegen im UV Bereich. Das führt dazu das wir uns Gedanken machen müssen, ob wir vielleicht für Vögel ganz anders scheinen als wir sind. Hier muss man z.B. berücksichtigen das viele Waschmittel optische Aufheller beinhalten. Kleidung die mit solchem Waschmitteln gewaschen wird leuchtet regelrecht. Auch Sonnencreme die UV Licht reflektiert wandelt den Fotografen in ein Lichtwesen.

Kiebitz bei der Landung

Schlüsselreize

Auch wenn Vögel teilweise gut hören und sehr gut sehen können, so reagieren viele nur auf bestimmte Schlüsselreize. Bewegung und laute Geräusche sollte man weitgehend vermeiden. Ich versuche relativ undefiniert zu bleiben. Sprich nur eine kleine Silhouette zu haben (am besten gar keine) und mich nur zu bewegen, wenn mich der Vogel nicht sehen kann. Das heißt die Arme und die Kamera dicht am Körper zu halten und gebückt oder kriechend mich dem Vogel zu nähern.

Vögel die viel mit Menschen in Kontakt kommen verlieren die Angst vor ihm, so dass man in Parkanlagen und in der Stadt einfacher an gute Fotos heran kommen kann. Wege auf denen Spaziergänger regelmäßig unterwegs sind können gute Ausgangspunkte für eine Vogelpirsch sein.

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5 Responses

  1. Ich muss dir leider im Bezug auf den Geruchssinn der Vögel widersprechen. Neue Studien haben gezeigt das viele Vögel sehr gut riechen können, bei weitem besser als wir. Es funktionieren weit aus mehr Geruchsgene als beim Menschen. Nur weil man ihre Nasen nicht sieht heißt das nicht das sie zurückgebildet sind.
    Als Quelle gebe ich hier mal die Folge Quarks und Co vom 17.3 an. Ist auch als Podcast zu beziehen und deckt noch einige andere kleinere sachliche Fehler deiner Vogelartikel auf. Vielleicht solltest du sie dir mal anschaunen.

    Gruß Flo

  2. Finde das Thema spannend. Hast du auch Tipps speziell zum Fotografieren von Raubvögeln. Bist du ja schon kurz drauf eingegangen. Allerdings kann man sich bei nem Mäusebussard noch so klein machen. Man kommt ohne Tarnung ja nicht näher als 100m.

  3. Hallo Flo,

    ich habe mir mal den Podcast angeschaut. Die beziehen sich auf die Presseerklärung des Max-Planck-Institute vom 16. Juli 2008.
    Ist der Geruchssinn bei Vögeln besser ausgeprägt als bislang gedacht?. Ich bin mir sicher das die Wissenschaftler recht haben, aber nichts desto trotz halte ich den Geruchssinn für die Vogelfotografie für irrelevant (bei den meisten Vögeln).

    Alleine das vorhanden sein von Geruchsgenen ist nicht ausschlaggebend, sondern für was diese genutzt werden (z.B. bei bestimmten Seevögeln Seevögel riechen Beute).
    Ich habe bei meinen fotografischen Tätigkeiten noch nie erlebt, dass ein Vogel versucht hat meine Witterung aufzunehmen. Bei der Bärenfotografie ist das Standard, wenn man aus der falschen Windrichtung kommt, geht sofort die Nase in die Luft.
    Anscheinend nutzen Vögel ihren Geruchssinn mehr zur Nahrungssuche (Kiwi,Kakapo,..), Nahrungsunterscheidung (Hühner,..) und Orientierung (Tauben,Lappentaucher,..).

    Allerdings scheint mir der Artikel auch etwas “TV – Angepasst”. Während in der Pressemitteilung des Max-Planck-Instiutes noch ein Fragezeichen hinter der Überschrift steht wird in der Veröffentlichung des WDR eine Überschrift ala Bildzeitung genutzt. Dem im Artikel erwähnten Huhn (Das Schnüffel-Huhn) werden dort 570 Geruchsgene zugeordnet von denen 80 – 85 % aktiv sind. Das wären in etwa 484 aktive Geruchsgene. Im gleichen Artikel steht das der Mensch in etwa 500 aktive Geruchsgene besitzt. Die Blaumeise kommt auf 218 Geruchsgene. Lediglich der im Artikel erwähnte Kiwi mit 800 Geruchsgenen (hier steht nicht ob diese Aktiv sind) kommt über die 500 des Menschen. Das “Schnüffel-Huhn” scheint also von der Anzahl der Geruchsgene dem Menschen ziemlich gleichgestellt. Da ich einen Fotografen (in der Regel ;) ) nicht auf 100, 50 oder 10 Meter riechen kann gehe ich also davon aus können das die meisten Vögel auch nicht.

    Was dieser Artikel jedoch zeigt ist, dass man sich auf jede Tierart neu einstellen muss. Natürlich riechen verschiedene Vogelarten unterschiedlich gut. Zu den in meinem Artikel aufgeführten Seevögeln zählen ausserdem auch noch die Kiwis und bestimmte Neuweltgeier wie Truthahngeier und Königsgeier. Mich würde allerdings mal interessieren ob jemand jemals beobachtet hat, dass ein Vogel von ihm Witterung aufgenommen hat.

    Gruss, Andy

  4. Hi Steffen,

    die klassische Raubvogel – Fotografie ist ein Luderplatz (anfüttern) anzulegen. Ich habe das noch nie gemacht ich kann dir also nur theoretische Tipps geben. Du solltest zum Thema Luderplatz eventuell mal mit einem Jäger reden. Die kennen sich häufig mit so etwas aus. Da gibt es ein paar Regeln die man beachten muss z.B. darf man nur Fleisch nutzen das aus dem Gebiet des Luderplatzes stammt (meistens werden Jagdreste genutzt). Also kein Hackfleisch aus dem Supermarkt. Ausserdem musst du dir natürlich auch mit dem Landbesitzer / Pächter / Jäger einig werden.

    Da ich keine Zeit habe Luderplätze anzulegen und mich um Genehmigungen zu kümmern, würde ich es vielleicht dort versuchen wo Menschen und Raubvogel am meisten aufeinander treffen. Mir fällt da spontan die Autobahn und abgemähte Felder ein.
    Die Autobahn ist vielleicht in sofern interessant, dass du bei diesen Tieren eventuell dein Auto als Versteck nutzen kannst. Auf Feldern scheinen Bussarde in der Regel ihre Beute direkt dort aufzunehmen wo sie die Beute geschlagen haben. Auf der Autobahn geht das schlecht. Eventuell haben die Tiere dort Fressplätze. Das sollte man mal beobachten. An den meisten Autobahnen gibt es genügend Feldwege oder kleinere Brücken auf denen man alles erkunden kann.
    Abgemähte Felder stehen natürlich nur sporadisch und für kurze Zeit zur Verfügung, aber bei uns sammeln sich dort häufig Bussarde noch während des Mähvorgangs. Dann kreisen manchmal 2-4 Tiere über dem Feld um nach Mäusen Ausschau zu halten.
    Wenn du dich damit nicht auskennst, dann solltest du auf gar keinen Fall am Nest fotografieren. Trotzdem kann es interessant sein zu wissen wo das Nest ist. Aus entsprechend großer Entfernung solltest du Einblick in das Tagesgeschäft der Bussarde bekommen. Wann jagen diese und wann ruhen sie. Gibt es Fressplätze ?
    Es gibt bestimmt genug Plätze an denen Bussarde weniger scheu sind. Da muss man einfach mal recherchieren. Es gibt mehr Ornithologen und Vogelclubs als man denkt. Und die stehen einem in der Regel gerne Frage und Antwort. Einfach den nächsten Fotoausflug an einen See machen und mal schauen ob man jemanden mit Spektiv oder Fernglas trifft. Google ist hier natürlich auch dein Freund.

    Da Raubvögel generell schwer vor die Linse zu bekommen sind, solltest du vielleicht vorher mal eine Flugschau von einem Falkner besuchen. Hier kannst du nicht nur Tipps abstauben, sondern auch mal ein paar Dinge testen. Z.B. welche Verschlusszeiten du brauchst um einen Bussard im Flug “einzufrieren”, oder welche Blende du benötigst um das ganze Tier scharf abzubilden. Wie verhält sich dein Autofokus, wenn der Vogel auf dich zu fliegt und wenn er an dir vorbei fliegt. Mit etwas testen kann man die Fehler im Feld minimieren.

    An Equipment würde ich mein 500 mm und ein Tarnnetz nutzen. Der Rest ist Standard – Equipment.

    Wenn du dich für den Ansitz interessierst, dann schau dir mal diese Artikel an: http://www.christianstein.net

    Ich hoffe ich konnte dir irgendwie weiterhelfen.

    Gruss, Andy

  5. Danke für die ausführliche Antwort! Leider konnte ich bei den einheimischen Tieren noch keine Regelmäßigkeiten erkennen. Keine festen Plätze oder Zeiten. Allerdings habe ich auch nicht so viel Zeit die Tiere zu beobachten. Hätte ich aber gerne :-)

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